Geschichte

Die Schlossgeschichte war in den früheren Jahrhunderten untrennbar auch die Dorfgeschichte von Altrandsberg - das Dorf gehörte zum Schloss und nicht umgekehrt. In einer kurzen chronologischen Übersicht sind nachfolgend die Besitzer der Burg bzw. des Schlosses beschrieben.

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Die Ramsperger                

Mitte des 12. Jahrhunderts - 1445

Die Ramsperger waren über 400 Jahre ein bedeutendes Geschlecht, das verschiedenen Herrschern als Stellvertreter, Räte, Richter und Pfleger diente. Sie waren ein enger Familienverband und nannten sich meist von Ramsperg oder zu Ramsperg.

Die Ramsperger Ritter waren die Gründer von Altrandsberg. Sie waren Ministeriale der Grafen von Bogen die auch im Dienste des Hochstifts Passau standen. Auf einem Felssporn, steil zum Perlbach abfallend, errichteten sie die Burg Ramsperg. 

Diese so genannten Ministerialen gehörten nicht den freien, sondern den Dienstadel an. Sie waren turnierfähig, leisteten Heeresfolge und verwalteten den Grundbesitz der Grafen. Im Laufe der Zeit erlangten sie den freien Ritterstand und bildeten dann später den niedrigen Adel.

Das Geschlecht der Ramsperger spaltete sich im 14. Jahrhundert in zwei Linien. Während die ältere Linie auf dem Stammsitz verblieb, erbaute sich Friedrich der Jüngere um 1330 die Burg Neurandsberg. 

 

       Das Wappen der Ramsperger (nach Püterich von 1462) 

 "Auf einem goldenen Dreiberg, ein silbener Widder auf blauen Grund."

Der Verfasser des Bay. Stammbuches Hund, beschreibt in seiner Einleitung über das Geschlecht der Ramsperger das Wappen folgend:  „ Diß Geschlecht führet einen weißen Wider in rothem Feld / oben ein halber weisser Wider in einer Cron.“

Eine Genealogie vom Geschlecht der Ramsperger wurde von der IG-Schloss Altrandsberg erstellt. Bei Bedarf kann diese an Interessierte weitergegeben werden. 

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Die Paulsdorfer zu der Kürn und auf Altrandsberg

                                              von 1445 - 1510

 

         

Das Wappen der Paulsdorfer ist schräg gekreuzt, von silber und rot.

Paulsdorf liegt in der Nähe von Amberg. Die Paulsdorfer waren ein uraltes Edelgeschlecht, die schon im Jahr 948 im Turnierbuch erwähnt sind. 1394 erkauften sie das Schloss und die Herrschaft Kürn, nordöstlich von Regensburg.

Wohl einer der bedeutensten seines Geschlechts war Hans der Paulsdorfer (Linie Wilhelm). Er übernahm um 1500 von seinem Bruder Sigmund "Schloß Altenrandsberg".

Hans Paulsdorfer war ein enger Vertrauter des Herzogs, er stand ihm auch im Löwlerkrieg fest zur Seite. Von 1491 bis zu seinem Tod (1512) war er Vizedom zu Straubing.

Hans Paulsdorfer zu der Kürn auf Altrandsberg war drei mal verheiratet, seine letzte Ehefrau war Anna, eine Tochter des Heinrich Nothaft zu Runding.

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Die Nothaft von 1510 -1620 

 

          

Das Grundwappen der Nothaft  trägt einen blauen Balken auf gelben Hintergrund.

Die Nothaft`s waren ein vornehmes, weitverzweigtes und sehr begütertes Geschlecht. Seit sie 1284 Schloss Wernberg an der Naab erwarben, nannten sie sich auch nach diesem Sitz.

Heinrich Nothaft (der erste) war Pfleger in Cham und wurde dann auch Vizedom zu Straubing. 1413 kauft er Burg „Runting mit all seinen Gütern“.

Ein späterer Nachfolger von Heinrich Nothaft war Albrecht, er ist 1513 geboren und wurde Schlossherr von Altrandsberg. In einer Hofmarksbeschreibung von 1558 ist zu lesen:
„Item die Hofmark Alten Ramsperg hat Inn vnnd besitzt Albrecht Notthafft. Darin ain Schlos vunnd haust daselbst."

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Die Berlichingen  von 1620 - 1670 

 

          

 

Das Wappen der Berlichinger  beinhaltet in Gold ein fünfspeichiges silbernes Rad.

Fränkischer Uradel, Turniergenossen, dessen Name durch den Ritter Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand durch ganz Deutschland bekannt wurde. Die Freiherrnwürde ist in der Familie über 400 Jahre zurück nachweisbar. 

 Während der Herrschaftszeit der Berlichinger war wohl eine der schrecklichsten Zeiten im Bayerischen Wald. Der Dreißigjährige Krieg, aber auch Pest und andere Seuchen wüteten in unserer Gegend.

Durch Heirat der Nothaft-Witwe Genoveva (geb. Schad), erwarb Hans Chistoph von Berlichingen um 1620 die Hofmark Altrandsberg. Er war Landsteuer-Beamter des Rentamts Straubing. Hans Christoph starb am 29. Dez. 1668.

Eva Maria, die einzige Tochter von Hans Christoph war mit dem böhmischen Edelmann Johann Wilhelm Podtmoski von Podtmokl verheiratet. Sie erbten die Hofmark Altrandsberg. Als Eva Maria starb, verkaufte Johann Wilhelm Podtmoski 1670 Altrandsberg an die Closen.

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Die Closen  von 1670 - 1676 

  

          

Das Stammwappen der Closen zeigt im goldenen Schilde eine Uttenschwalbe.

Das Geschlecht der Closen reicht nach Hund auf das 12. Jahrhundert zurück. Die Closen zählten zu den einflußreichsten Adelsgeschlechtern in Bayern. In den besten Zeiten waren sie Inhaber von 18 Hofmarken.

Nur ca. 6 Jahre übten sie in Altrandsberg  die Herrschaft aus. Franz Freiherr von Closen zu  Haydenburg war kurf. Rat und Kämmerer. Im Jahr 1670 kaufte er das „adelige Schloß Altenramsperg“, das er dann später an seinem Bruder Ludwig Bernhard übergab.

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Die Leoprechtinger  von 1676 - 1847

  

   

Wappen

 

Kupferstich Wening von 1726

Das Stammwappen der Leoprechtinger beinhaltet in Silber eine nach rechts aufsteigende schwarze Stufe. Leoprechting ist ein altbayerischer Uradel, dessen Stammsitz Leoprechting in Niederbayern, bei Eggenfelden liegt. 1694 erlangte das ganze Geschlecht der Leoprechtinger den Freiherrenstand.

Hans Wolfgang von Leoprechting - er stammte aus der aus der jüngeren Linie (Felicitas von Pelkhoven, Moosthenning) – kaufte 1676 die Hofmark Alten Ramsperg von den Closen.

Die Freiherrn Leoprechtinger übten nun über 170 Jahre lang die Herrschaft in Altrandsberg aus. Unter ihnen erfolgt auch der Umbau zum Schloss. Der wehrhafte Charakter der Burg weicht dem standesgemäßen Wohnen.

Im Jahr 1726 berichtet der Hofkupferstecher Michael Wening unter anderem von einer zweimaligen Feuersbrunst im Schloss.

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Freiherr Georg von Reider kauft Schloss und Hofmark 

Am 13.März 1847 geht die gesamte Hofmark an den Freiherrn Georg von Reider über, er war Patrimonalgerichtshalter von Saulburg.

Anscheinend waren finanzielle Schwierigkeiten ein Grund des Verkaufs, denn die Hofmark sollte vorher schon versteigert werden.

 Der neue Hofmarksherr Reider mußte dann wegen der neuen Bay. Verfassung 1848 (Bauernbefreiung) auf seine Gerichtshoheit, Zinsen und auf die Frondienste der Untertanen verzichten. Durch diesen Wegfall konnte sich die Gutsherrschaft nicht mehr lange halten, es begann die Zertrümmerung.

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Georg Hamminger kauft das Schloss mit Nebengebäuden

Am 23.  Mai 1854 kauft der Gutsbesitzer von Aukofen, Georg Hamminger, um 12000 Gulden  das Schloss samt Nebengebäuden.

Nach dem Tod von Georg Hamminger geht der Besitz an seine 4 Kinder über.  

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Ignatz Grünhut kauft den gesamten Schloss- und Gebäudekomplex

Der jüdische Hopfenhändler Ignatz Grünhut aus Regensburg erwarb von den Erben des Georg Hamminger, am 17.April 1895, den gesamten Schloss- u. Gebäudekomplex.

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Die Gemeinde Altrandsberg von 1895 - 1971

Schlosswappen erstellt von Max Nagler, Altrandsberg

     

Mit der unter Georg Reider und Ignatz Grünhut entstandenen Gutszertrümmerung vollzog sich ein entscheidender Wandel im Dorf. Vom einstigen Herrschaftsmittelpunkt war das Schloss nun zur völligen Neunutzung frei.

Der günstige Preis (4800 Reichsmark) und die Überlegung, daß man so Räume für gemeinnützige Zwecke, aber vor allem auf diese Weise zu einem eigenem Schulgebäude kommen könnte, waren für den Kauf ausschlaggebend. Am 11. November 1895 ging das Schloss mit Garten in den Besitz der Gemeinde über.

Neben der bestehenden Kirche wurden dann Schule, Gemeindekanzlei, Lehrerwohnung und einige kleine Sozialwohnungen im Schloss untergebracht.

 

Wie aus alten Protokollen und Schriftstücken zu lesen ist, erforderte es für die fortschrittlichen Leute im damaligen Gemeinderat große Anstrengungen und viel Kampf, um zu diesem Besitz und somit zu einer Schule zu kommen. Doch dies bedeutete nachher einen großen Gewinn für das Dorf.

Im Zuge der Gebietsreform, schlossen sich die Altrandsberger ab 1972 freiwillig der Gemeinde Miltach an. Die Schule in Altrandsberg wurde auch ein Opfer der Schulreform. Sie wurde 1971 für immer geschlossen. 

Durch den Verlust der eigenen politischen Gemeinde, der Schule, Stillegung des ARA-Werkes und der Bahnstrecke, aber auch durch die Schließung vieler Versorgungseinrichtungen (Geschäfte), hat unser Dorf seine einstige zentrale Bedeutung verloren.

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Die Gemeinde Miltach von 1972 - heute


Nachdem von öffentlicher Seite erhebliche finanzielle Mittel zugesagt wurden, begann 1981 die Gemeinde Miltach mit der dringend notwendigen Schlosssanierung, die sich viele Jahre hinzog. Selbstverständlich bedeutete dies für die Gemeinde auch eine große Kraftanstrengung.

Mit extremen Schwierigkeiten und viel Kampf war es verbunden, um die schleppende und oftmals zum Stillstand gekommene Sanierung wieder in Gang zubringen. Zu diesem Zweck wurde auch die "Interessengemeinschaft Schloss Altrandsberg“ gegründet.

Jedoch letztendlich war es doch geschafft, die Mühe und der Aufwand  haben sich gelohnt.

1992 konnte der sanierte Ostflügel vom Schloss seiner Bestimmung „Haus des Gastes“ übergeben werden. Seitdem werden hier, aber auch im Schlosshof, regelmäßig  Veranstaltungen der Ortsvereine abgehalten.

Ein besonders freudiges Ereignis war es als dann 1996 der Kindergarten im Westflügel des Schlosses eingeweiht werden konnte. So ist nun auch wieder junges Leben im Schloss eingekehrt.

Ein „Weltkunstmuseum“ mit Reblikaten von der ortsansässigen Firma ARA-Kunst ist hier untergebracht. Auch die Mutter-Kind-Gruppe, sowie die Gymnastikdamen treffen sich regelmäßig im Schloss. 

Mit der neu renovierten Kirche die sich im südlichen Teil des Schlosses befindet, steht nun das Schloss in jeder Hinsicht wieder im Mittelpunkt des Dorfes.

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Sehr detaillierte Abhandlungen der Altrandsberger Schlossgeschichte finden Sie auch über die folgenden Links:

                            >>> www.notthafft.de/sitze/altrandsberg

                            >>> www.mobile-geschichte.de

                                 

 

 

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